Prinzipien unserer Yoga-Praxis: Svadhyaya – erfahre und erforsche dich selbst.


Svadhyaya ist eines der Prinzipien, die Patanjali im Yoga Sutra beschreibt. Das Yoga Sutra ist eines der wichtigsten Standardwerke aus der Yoga-Philosophie. Patanjali beschreibt hier den achtgliedrigen Pfad, der uns durch verschiedene Stufen zur Erleuchtung – zu einem glücklichen Leben führt. Es ist ein Leitfaden für unsere Yoga-Praxis und für unser Leben. Die einzelnen Stufen bauen aufeinander auf und bedingen sich gegenseitig. Für jede einzelne Stufe gibt uns Patanjali Tipps und Verhaltensweisen an die Hand, die heute noch sehr lebensnah und konkret sind.

Der achtgliedrige Pfad auf einen Blick

1 Yamas – der Umgang mit der Umwelt
2 Niyamas – der Umgang mit sich selbst
3 Asanas – der Umgang mit dem Körper
4 Pranayama – der Umgang mit dem Atem
5 Pratyahara – der Umgang mit den Sinnen
6 - 8 Samyama – der Umgang mit dem Geist
6 Dharana – Konzentration
7 Dhyana – Meditation
8 Samadhi – das Höchste: die innere Freiheit

Svadhyaya gehört zu den Niyamas, zu den Prinzipien, die den Umgang mit uns selbst thematisieren. Das Wort „Sva“ bedeutet Seele und Selbst und das Wort „Adhyaya“ heißt übersetzt Studium. Es geht also um die Erforschung unserer Seele, um unser Selbst. Selbsterforschung meint hier „an etwas nahe herangehen“, sich selbst reflektieren, sich erkennen und kritisch zu hinterfragen. Dies machen wir ja permanent in unserer Yoga-Praxis, obwohl es uns hier vielleicht gar nicht wirklich bewusst ist, beobachten wir uns und unsere Intentionen und Grenzen. Wir nehmen wahr, welche Asanas uns gefallen, welche uns eher unangenehm sind. Wir reflektieren, an welchem Punkt wir den Atem verlieren, dann holen wir ihn bewusst zurück und wir spüren sehr intensiv in unsere Grenzen hinein, um sie eventuell zu verschieben. Wir beobachten unseren Geist und unsere Emotionen. Ist mein Geist still oder spielt er mir Streiche? Welche Gedanken kommen mir in den Sinn, wie kann ich den Geist noch mehr zur Ruhe bringen? Atmen! Und natürlich durchleben wir eine bunte Farbpalette an Emotionen von „ah, ich fühle mich so leicht und frei“ bis „um Himmels Willen, ich kann diese Asana keine Sekunde länger halten, verflucht.“ Im zweiten Schritt versuchen wir vielleicht sogar, dem auf den Grund zu gehen und fragen uns, wo diese Emotionen herkommen, was sie mit uns machen und ob man negative Emotionen in positive Gefühle verwandeln kann. Genau dann sind wir bereits dabei, uns selbst zu erforschen – Svadhyaya. Yoga ist ein wunderbarer Startpunkt und ein tolles Tool für die Selbsterforschung. Neben Yoga gibt es natürlich noch weitere verschiedene Wege und sicher hat jeder sein ganz persönliches Mittel, um sich selbst zu reflektieren und wahrzunehmen. Man kann sich zum Beispiel auch durch Meditation und Atemübungen nahekommen, durch achtsame Spaziergänge, Fastenkuren oder auch, indem man seine Gedanken aufschreibt. Manchmal ist es ganz banal und man hat eine Erkenntnis unter der Dusche oder beim Zähneputzen.

Svadhaya - sich selbst nahe sein

Sich selbst so nahe zu kommen, kann natürlich auch erst einmal unangenehm sein. Man kann sich einfach schlecht selbst etwas vormachen und sich selbst belügen. Nicht, dass man das nicht manchmal trotzdem versucht, aber im tiefsten Inneren, weiß man, dass man sich selbst anlügt und dass einen das natürlich nicht weiterbringt. Wenn man sich also selbst wirklich nahekommt, ist man sehr ehrlich und das tut manchmal auch weh. Aber Ehrlichkeit und Selbsterkenntnis sind der erste Schritt, um kleine Veränderungen anzuschieben. Was sind also meine Emotionen in bestimmten Situationen? Was triggert mich und warum? Wo kommen Bedürfnisse und Wünsche her? Was sind „komische“ Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die ich ablegen will? Was ist meine Sicht auf die Dinge? Was wären alternative Sichtweisen oder andere Möglichkeiten zu handeln? Sich selbst zu erforschen ist eine Reise, die auch nie wirklich beendet oder am Ziel ist – und genau das ist ja das Spannende! Definitiv endet diese Reise nicht bei den Fragen oder bei deren Beantwortung. Sich selbst zu reflektieren und überhaupt wahrzunehmen, dass einen eine Situation triggert, klingt erst einmal einfach und vielleicht selbstverständlich – aber für viele ist dieser erste Schritt der Schwerste. Manchmal sieht man einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht und warum soll man etwas hinterfragen, dass schon immer so ist? Hat man dann das Übel beim Schopf gepackt und Ursachen ausgemacht, ist die Situation noch lange keine andere, man selbst ist noch derselbe. Svadhyaya heißt nicht, sich mit sich selbst im Kreis zu drehen. Das ist nicht Sinn der Sache.

Selbtstreflektion – ein erster Schritt für Veränderung

Um eine Veränderung anzuschieben, kann man ebenfalls Yoga als Tool nutzen. Hier probieren wir verschiedene Lösungsmöglichkeiten, nehmen überhaupt erst einmal wahr, dass es Möglichkeiten gibt, eine Asana anders auszurichten. Fühlt sich eine Körperhaltung nicht gut an, verändern wir die Basis, die Fußstellung, den Abstand, richten dann vielleicht die Hüfte neu aus oder bringen mehr Weite in den Brustkorb, entspannen die Schultern. Wir haben hier Werkzeuge, die wir anwenden können und genauso haben wir diese Werkzeuge in unserem Alltag. Hier ist es nur manchmal schwierig, die richtigen Schrauben zu erkennen und zu benennen, aber es gibt sie. Ein Tool, was immer funktioniert und was wir im Yoga bis zur Perfektion treiben, ist die Kontrolle unseres Atems und damit verbunden die Kontrolle unseres Geistes. Wir können in nahezu jeder Situation einfach atmen und so die Spannung rausnehmen und eine vorschnelle Reaktion verhindern. Dies bedarf viel Übung und klappt natürlich nicht immer. Aber hey, am Ende sind solche Trigger-Situationen Gold wert, weil man an ihnen herrlich üben kann. Ich hatte z. B. in meinem früheren Leben einen fürchterlich toxischen, cholerischen Chef. Ein unmittelbarer Trigger – jeden Tag vor der Nase. Ich habe hier in vielen Situationen Tag für Tag tief ein- und ausgeatmet, um einfach sachlich und gelassen zu bleiben. Natürlich gab es auch eine Menge ausgearbeitete Strategien, um mit diesem toxischen Arbeitsumfeld umzugehen. Ich konnte mich also herrlich in dieser Situation abarbeiten und viel über mich selber lernen. Aber irgendwann ist es dann auch genug gewesen und ich habe die Situation verlassen. Yoga ist, wie gesagt, für mich eine wunderbare Quelle, um mir selbst nahe zu sein, mich zu erfahren, zu spüren, wo es klemmt und immer offen zu sein für Lösungsmöglichkeiten. Yoga bietet hier nicht nur viele Ansätze, sondern es bietet auch den Raum, um sich nahe zu sein. Man nimmt sich bewusst Zeit für sich selbst, für Selbsterforschung und Reflektion. „Man hat ein Date mit sich auf der Matte.“ Im Alltag ist es manchmal schwer, sich immer wieder Zeit für sich selbst zu nehmen, aber durch die Yoga-Praxis ist Quality-Time garantiert und ich persönlich kann dies besser realisieren als einen täglichen Spaziergang.

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Kirsten Zenker

farbenfroher Blog von Kirsten Zenker

Hallo, schön, dass du hier bist! Ich bin Kirsten, Yoga-Lehrerin, Ernährungsberaterin, Coach und Lebenskünstlerin. Hier blogge ich zu Yoga-, Ernährungs-, Gesundheits- und Lifestyle-Themen, die mich beschäftigen und begleiten - ein farbenfroher Mix also. Sei dabei und lass dich inspirieren.

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